Die Klassiker von Lista Office LO

Dem Traditionsunternehmen gelang es in seiner spannenden Geschichte immer wieder, sich neu zu erfinden und Rückschläge zu überwinden. Ein Blick in das Museum des Familienunternehmens.

Die Geschichte von Lista Office LO beginnt nach dem zweiten Weltkrieg: Im Jahre 1945 wagt der 20-jährige gelernte Schlosser Alfred Lienhard den Sprung in die Selbstständigkeit und beginnt mit der Produktion von Gartenmöbeln und Stahlprodukten. Bereits nach kurzer Zeit bezieht er Räume in Degersheim SG, wo auch heute der Sitz von Lista Office LO ist.

Name dank Motorvelo
Unter der Marke ALID (Alfred Lienhard Degersheim) stellen Alfred Lienhard und seine Belegschaft immer mehr Produkte her – darunter auch den Werkzeug-Schubladenschrank, der zum Verkaufsschlager wird. Die starke Nachfrage nach Stahlmöbeln führt in den 1950er-Jahren dazu, dass das Unternehmen bereits 228 Angestellte zählt. Zum Meilenstein wird das Jahr 1953. Durch die Leidenschaft von Alfred Lienhard zum Motorsport fertigt die Firma schliesslich das Motorvelo LISTA an. Obwohl nur 600 Stück davon verkauft werden, wird der Markenname des Motorvelos zum Wahrzeichen der Firma. Das Unternehmen wird nun international bekannt und fertigt Garderoben- und Werkzeugschränke, Werkbänke und Lagergestelle, aber auch Büromöbel wie Registraturschränke und Schreibtische an. 

Zwei Divisionen
Durch Zukäufe und vor allem Neugründungen auf der grüne Wiese (Amerika, Arnegg, Wien, Frankreich, UK) wächst das Unternehmen von der lokalen Schlosserei zum internationalen Konzern. 2006 organisiert sich Lista schliesslich in zwei Divisonen: Betriebs- und Lagereinrichtung (Lista B+L) und Büroeinrichtungen – das heutige Lista Office LO mit rund 300 Mitarbeitern. Lista Office LO ist noch heute im Besitz der Gründerfamilie und setzt auch im 21. Jahrhundert neue Trends in der Bürowelt als konzeptioneller Gesamtdienstleister.

«Die Werte und Vorstellungen von Lista Office LO wurden im Motorvelo sicht- und greifbar.»

Franziska Lienhard Nava, Verwaltungsratsmitglied der Lista Office Group

Interview mit Franziska Lienhard Nava, Verwaltungsratsmitglied der Lista Office Group

Wie kamen Sie dazu, neben Stahlmöbeln 1953 plötzlich ein Motorvelo zu bauen? 
Das Hobby von meinem Grossvater, Firmengründer Alfred Lienhard, war der Motorsport. Er hatte immer den Traum, einmal selbst ein Auto oder zumindest ein Motorrad herzustellen. Er fabrizierte sogar ein Auto mit zwei Rädern, die es ja heute wieder gibt. Leider blieb es nur beim Prototyp, da er zu oft umgefallen ist. ( lacht )

Trotz dieser Erfahrungen stellten Sie schliesslich ein Motorvelo her?
Als sich die Chance auftat, ein Motorvelo in Angriff zu nehmen, war der Entschluss rasch gefällt. Man brauchte für dieses Produkt aber auch einen Namen. Ein Mitarbeiter hatte bei einem internen Wettbewerb den genialen Einfall, aus Lienhard STAhlbau den Namen LiSTA zu formen. Dieser Name war einfach und in allen Sprachen kommunizierbar. Leider waren die Ressourcen für eine erfolgreiche Produktion und den Vertrieb des Motorvelos nicht vorhanden, das führte die junge Firma fast in den Konkurs. Aus diesem Abenteuer hatten wir aber etwas Wichtiges gelernt: «Schuster bleib bei deinen Leisten» – und fast wichtiger: Wir hatten den perfekten Namen für unser Unternehmen und alle späteren Produkte!

Das heisst, der Firmenname ist durch ein Produkt entstanden, das es heute nicht mehr gibt?
Die 600 verkauften Lista «Töffli» waren meiner Meinung nach doch eine Leistung. Es war aber auch wichtig für das Unternehmen selbst. Motorsport hat in der Firmengeschichte immer eine besondere Rolle gespielt – auch bei der Akquisition von Kunden. Mit dem Motorvelo «Lista» haben wir diesen Grundsatz tatsächlich gelebt. 

Hatte das Motorvelo auch einen ideellen Zusammenhang mit dem Unternehmen?
Die Werte und Vorstellungen von Lista Office LO wurden im Motorvelo sicht- und greifbar: Die Begeisterung für moderne Technik, vom Teamgeist, der ja unter Sportlern bekannt ist. 

Haben Sie seither weitere «Ausflüge» in andere Produktgruppen ausserhalb von Stahlmöbeln gemacht?
Trotz dieser Erfahrung haben wir noch weitere «fremde» Aktivitäten aufgenommen – wir hatten auch die Idee, Wohnmöbel oder Stühle herzustellen. Schliesslich haben wir die darauf spezialisierten Unternehmen aber wieder verkauft, weil sie nicht unseren Kernfähigkeiten und - tätigkeiten entsprachen.