«Mobile Arbeitsplätze werden zur Normalität werden»

Die Web-Plattform «PopupOffice» vermittelt mobile Arbeitsplätze in der Schweiz. Im Interview erklärt Gründer Mathis Hasler, warum dem Abschied vom festen Schreibtisch die Zukunft gehört.

Herr Hasler, Sie haben kein eigenes Büro mehr. Warum nicht? 
Ich nutze die Coworking Spaces, die wir vermitteln. Es inspiriert mich, an einem Ort zu sein, wo verschiedene andere Menschen arbeiten, und ich bin dadurch auch konzentrierter. Ausserdem ist es ideal zum Netzwerken: Ich stosse oft auf Leute, die etwas zu meinen Projekten beitragen können. Neuerdings tummeln sich auch immer mehr Unternehmen in diesen neuartigen Büroräumen. So finden Freelancer und Start-ups zusätzlich Möglichkeiten für Austausch und Zusammenarbeit.

Was erwartet mich, wenn ich mich für ein «PopupOffice» entscheide? 
Über die Plattform können Sie verfügbare Arbeitsplätze in der Nähe buchen, von einer Stunde bis zu einem Tag, und vor Ort dann die vorhandene Infrastruktur nutzen: Mobiliar, Internet, Kaffee. Manche Spaces ähneln eher formellen Büros, sie eignen sich für konzentriertes Arbeiten. Andere sind stark auf Kooperation ausgelegt, hier kann man besser netzwerken. Unter den rund hundert Orten auf der Plattform sind aber auch aussergewöhnliche, wie der Showroom von Lista Office LO in Luzern.

Neben Freelancern und Start-ups wendet sich «PopupOffice» vor allem an Unternehmen. Warum ist das Konzept für die interessant? 
Laptops und Cloud-basierte Programme erlauben es, an jedem Ort zu arbeiten. Firmen reagieren auf diese Entwicklung. Erstens wollen sie Mitarbeitenden, die unterwegs arbeiten, eine geeignete Umgebung zur Verfügung stellen, mit Kaffee, Internet und ohne Lärm. Zweitens steigt der Druck seitens der Angestellten, flexibel arbeiten zu können. Manche Menschen sind effizienter und inspirierter, wenn sie nicht von neun bis fünf am gleichen Platz sein müssen. Das wollen Unternehmen ermöglichen. Drittens wollen die Firmen das Innovationspotenzial von Räumen nutzen, in denen verschiedene Menschen zusammenkommen. Der Arbeitsplatz soll zum Medium der Interaktion werden. Aufgrund dieser Entwicklungen werden mobile Arbeitsplätze für grosse Firmen in wenigen Jahren zur Normalität werden.

Beeinflusst diese Entwicklung bestehende Büros? 
Bei den meisten Firmen ist der Wille da, in flexible Arbeitsplatzmodelle zu investieren. Momentan wird viel damit experimentiert. Es entstehen mehr und mehr interne «Flex Offices» mit verschiedenen Zonen für konzentrierte Arbeit und für Kommunikation. Die Mitarbeitenden haben dann keinen festen Platz mehr. Von hier aus ist der Schritt zu externen Arbeitsplätzen nicht mehr weit. Durch die digitale Transformation müssen Unternehmen immer flexibler werden. In Zukunft wird das Büro deshalb immer mehr zur Dienstleistung. Unternehmen mieten nicht mehr selbst fest Räume an, sondern quartieren sich je nach Bedarf bei grossen Büroanbietern ein.

Mathis Hasler (*1982) ist Mitgründer und CEO der PopupOffice AG. Nach dem Studium in Internationalen Beziehungen in Genf arbeitete er in verschiedenen Positionen für Unternehmen wie Thomson Reuters und das World Economic Forum. Die Idee für die Plattform entstand, weil Hasler auf Dienstreisen selbst immer wieder auf der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz war. www.popupoffice.ch

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